Bericht Nuklearinspektorat
Das Nuklearinspektorat stärkte im Berichtsjahr seine Organisation, insbesondere durch den Aufbau eines Teams für strukturmechanische Analysen zur Bewältigung wachsender technischer Anforderungen. Die Jahreshauptrevisionen der Kernkraftwerke – darunter eine unerwartet lange Tätigkeit am Speisewassersystem im KKW Gösgen – prägten den operativen Einsatz, zugleich wurde bei Transport- und Lagerbehältern ein neuer Produktionsrekord erreicht. In Forschung und Entwicklung setzte das Team mit KI-gestützter ZfP, Drohneninspektionen sowie innovativen Systemen wie echolyst und einem neuen solenoidgetriebenen Impaktor - relevante technologische Impulse.
Inhaltsverzeichnis
Kernanlagen
Organisationsanpassung
Der Umfang der Tätigkeiten im Bereich Konstruktion und Berechnung hat sich in den vergangenen Jahren stetig vergrössert: Einerseits sind die Anforderungen in der kerntechnischen Aufsicht gestiegen, andererseits werden die Prüfungen spezifischer Arbeitsbereiche – beispielsweise die strukturmechanischen Analysen und Nachweise – immer aufwendiger. Aus diesen Gründen wurde innerhalb des Nuklearinspektorats der neue Arbeitsbereich Strukturmechanische Analysen und Nachweise (SMN) gegründet. Die Kapazität wurde mit zwei Berechnungsingenieuren vergrössert. Diese Anpassung hat sich bereits bewährt: Die neuen Mitarbeitenden sind mit der Bearbeitung der Nachweise des KKW Gösgen sehr gut ausgelastet (s. folgender Abschnitt).
Jahreshauptrevisionen
Die Jahreshauptrevisionen der vier Schweizer Kernkraftwerke (KKW) beeinflussen die Hauptarbeitsbereiche im Nuklearinspektorat massgeblich und geben in vielerlei Hinsicht den Takt vor. Nach über 300 Betriebstagen erfolgen jeweils umfangreiche Instandhaltungs- und Inspektionsarbeiten im nuklearen Bereich der Kernanlagen, die durch die Sachverständigen des Nuklearinspektorats überwacht werden. Im Vordergrund stehen dabei die Wiederkehrenden[A1.1] Prüfungen an Komponenten und Systemen, aber auch Reparaturarbeiten sowie der Einbau von Ersatzteilen.
Im Berichtsjahr wurde im KKW Gösgen im Rahmen der technischen Instandhaltung des Speisewassersystems eine mögliche Auslegungsschwachstelle erkannt, die Auswirkungen auf die Beherrschung von Brüchen in diesem System haben kann. Die entsprechenden Abklärungen – und die Herstellung von neuen Komponenten für das Speisewassersystem – führten im KKW Gösgen zu einem längeren Betriebsunterbruch. Die Sachverständigen des Nuklearinspektorats sind mit der Überprüfung der sicherheitstechnischen Nachweise und der Herstellungsunterlagen beauftragt und gewährleisten, dass diese den kerntechnischen Anforderungen in der Schweiz genügen.
Transport- und Lagerbehälter
Behälterfertigung und Einlagerungen
Im Berichtsjahr wurden vier Transport- und Lagerbehälter mit abgebrannten Brennelementen beladen und an die Standorte der Schweizer Zwischenlager transportiert. Weitere 37 Behälter befanden sich in der Fertigungsphase bei Herstellern und Unterlieferanten in ganz Europa. Die Anzahl der Behälter in der Fertigung hat gegenüber dem Vorjahr (23 Behälter) weiter zugenommen und einen neuen Höchststand erreicht.
Im Rahmen des Lizenzierungsprozesses für den neuen Behältertyp TN Eagle wurde im Berichtsjahr mit der Vorprüfung der Qualifizierungsunterlagen begonnen. Ein Teil der Fertigungsstätten für die Hauptkomponenten des TN Eagle befindet sich im asiatischen Raum, wodurch die Abhängigkeit von den europäischen Herstellern verringert werden soll.
Forschung und Entwicklung
Im Bereich Forschung und Entwicklung arbeiten wir an unseren drei Schwerpunktprojekten (echolyst – Impact-Echo-System, UACIS – Uncrewed Aerial Concrete Inspection System und Impactor Project) und engagieren uns in Arbeitsgruppen zur Anwendung künstlicher Intelligenz (KI) in der Zerstörungsfreien Prüfung (ZfP).
IAEA-Arbeitsgruppe ISOP
Unsere Mitarbeit im Netzwerk der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) konzentriert sich auf die Arbeitsgruppen des ISOP-Programms (Innovation to Support Operating Nuclear Power Plants) in den Bereichen künstliche Intelligenz und Drohnen. Im Juni hatten wir die Gelegenheit, an einem vielbeachteten Workshop unsere Expertise zu diesen Themen einzubringen.
echolyst – Impact-Echo-System
Die echolyst-Welt beinhaltet unsere echolyst-Software, das Bindeglied zur künstlichen Intelligenz echolyst A.I., und den echolyst Cart, mit dem der SVTI eine umfassende Impact-Echo-Scanner-Lösung auf Rädern mit luftgekoppelter Datenerfassung anbietet. In Kombination mit der echolyst-Software kann so jedes beliebige Scan-Messraster unterstützt werden.
UACIS – Uncrewed Aerial Concrete Inspection System
Das Uncrewed Aerial Concrete Inspection System (UACIS) ist eine drohnenbasierte Inspektionsplattform. Sie ermöglicht die Untersuchung von Betonstrukturen mit verschiedenen Prüftechniken, die unter Berücksichtigung der spezifischen Anforderungen der Drohne entwickelt werden. Im Berichtsjahr konnte die Produktepalette erweitert werden – mit der UACIS-Potentialfeldmethode zur Bestimmung von aktiven Korrosionszuständen in Stahlbeton. Das Highlight aus wissenschaftlicher Sicht war im Berichtsjahr unsere Veröffentlichung im Journal «Construction and Building Materials».
Impactor Project
In den oben erwähnten Forschungsprojekten hat sich gezeigt, dass Effizienz und Reproduzierbarkeit der zerstörungsfreien Prüfung von Beton mit der Impact-Echo-Methode wesentlich von den angewendeten Impactor-Systemen abhängen. Das Impactor Project wurde mit dem Ziel gestartet, die Einschränkungen manueller Impaktoren zu eliminieren. Im Berichtszeitraum wurde ein neuer, solenoidgetriebener Impaktor mit exklusiv angepasster Geometrie entwickelt, der mit über 15 000 Auslösungen eine hohe Robustheit zeigt. Parallel dazu wurde die gesamte Ansteuerungselektronik überarbeitet. Der neue, auf PCB-Design basierende Ansatz überzeugt durch eine hohe Stabilität und Reproduzierbarkeit der Impulsdauer.